Ein Bericht von Kai Baumgarten
Das erste gemeinsame Treffen war gleich am Anreisetag geplant. So fand auch ich mich im Gemeinschaftsraum des Porzellaneums ein und gesellte mich zu den schon anwesenden Teilnehmern. In diesen ersten Gesprächen fragten wir uns gegenseitig über Studium, Herkunftsland und Interessen aus. Nach dem Abendbrot, wo wir als bunt gemischte Studentengruppe sofort auffielen, haben wir noch einen Stadtrundgang durch Wien gemacht.
Dieser endete auf dem Rathausplatz, wo zu dieser Uhrzeit noch buntes Treiben herrschte. Da einige erst nach dem Abendessen eingetroffen waren, verweilten wir an den Ständen und konnten uns gegenseitig weitere Geschichten aus unserem bisherigen Leben erzählen. Dies war in meinem Augen ein sehr interessanter Teil, denn wo sonst kommt man so direkt und unproblematisch mit Studenten aus den verschiedensten Ländern zusammen. So bestimmte auch dieser Aspekt unsere weitere Arbeit.
Am nächsten Morgen gingen wir, wenn auch mit leichter Verspätung, denn der Informationsfluß haperte noch etwas, und mit der Pünktlichkeit nimmt man es in anderen Ländern auch nicht so genau, zu unserer eigenen Eröffnungsveranstaltung. Hier wurden dann die einzelnen Arbeitsgruppen gebildet und die Diskussionsthemen bekannt gegeben. Nach einem Mittagsimbiß und einem Rundgang über den Prater begann unsere Gruppenarbeit auf einer Wiese. Da die Sonne schien, wurde dieser Arbeitsort der Universität vorgezogen. Dort führten wir einige kleine Spielchen, die mir manchmal etwas kitschig vorkamen, aber auf alle Fälle das Gruppendenken förderten, durch. Anschließend mußten auch wir uns zur Registrierung in das Freihaus begeben. Dort war man aber so mit Arbeit überhäuft, daß die Teilnehmer des Youth Summit mal wieder warten durften. Diese Zeit wurde sinnvollerweise für einen Kaffee oder ähnliches genutzt.
Nach erfolgter IFIP - Taschenausgabe und deren Inhaltsuntersuchung hatten wir etwas Freizeit. Da spalteten sich die Interessen je nach dem Herkunftsland. Einige sind Einkaufen gegangen, andere in das nächste Kaffee, und der Rest hat einige Sehenswürdigkeiten besichtigt. Ich gehörte zu der letzten Gruppe die sich dann aufgrund verschiedener Interessen verlor. Doch zum Abendbrot, wofür die Youth Summit - Leitung einen Großeinkauf gestartet hatte, saßen wir wieder alle zusammen im Gemeinschaftsraum, kosteten die mitgebrachten Spezialitäten aus fernen oder auch nahen Ländern und machten Wortspiele um die große Tafel oder führten im kleinen Kreis Gespräche.
Dies war ein sehr amüsanter Abend, da unter Geselligkeit in jedem Land etwas anderes verstanden wird. Am Sonntag hatten wir Zeit, um einen Einblick in die Kongreßarbeit der normalen Teilnehmer zu gewinnen. Die Vorträge über aktuelle Themen waren für die Studenten der Informatik und ähnlicher Fachrichtungen, da sie über das nötige Basiswissen verfügen, recht interessant. Der andere Teil der Youth Sumit - Teilnehmer konnte dem Vortragenden nicht folgen und langweilte sich. Demzufolge kam es auch hier wieder zu einer Teilung der Gruppe.Die Studenten der anderen Fachbereiche unterstützen aber unsere Kongreßarbeit sehr gut, da sie schneller auf die negativen Seiten der Informationsgesellschaft aufmerksam wurden und immer neue Ideen für die Diskussionen aufwarfen. Somit war diese bunte Zusammenstellung der Interessengruppen für unsere Arbeit in den nächsten Tagen ein fördernder Aspekt.
Die Eröffnungsveranstaltung im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins war die nächste Etappe, welche wir mit den anderen Kongreßteilnehmern gemeinsam bestritten haben. In diesem Raum ging es, so glaube ich, allen gleich: Sie wurden vom Prunk erschlagen. Die musikalischen Einlagen im ersten Teil waren sehr gelungen und wir hätten uns alle gerne noch mehr gewünscht. Nach der Pause war es für mich das erste mal, wie auch für die meisten anderen Teilnehmer des Youth Summit, daß ich einer Vorführung eines neuen Produktes beiwohnen durfte. Von der Professionalität dieser Darbietung war nicht nur ich begeistert. Beim Begrüßungscocktail am Abend haben auch wir begonnen, Reklame für unsere Arbeit zu machen und versucht Besucher für von uns durchgeführten Veranstaltungen und Diskussionsrunden zu finden. Dies war nicht einfach, aber es ist uns, wenigstens in Ansätzen, gelungen. Auch haben alle, die sich mit uns unterhalten haben, bestätigt, daß sie an unserer Arbeit interessiert sind und unsere Vorschläge dankbar annehmen. Leider war die Beteiligung oft relativ gering. Ob es nun an unserer Reklame oder der Abgelegenheit unserer
Tagungsräume oder einfach nur an uns selbst lag, weiß ich nicht. Vielleicht denken aber auch viele Wissenschaftler, wir sind noch nicht reif genug für solche Diskussionen und wollen bloß an ihrer Arbeit rummäkeln. Dabei hätten doch gerade diese Personen uns von den Fehlern in unseren Argumenten überzeugen können. Demzufolge haben wir die Ergebnisse in unserem Abschlußbericht nur nach dem uns zur Verfügung stehenden Wissen ausdiskutiert.
Der Abend im Rathaus hat nach dem Satz "Das Buffet ist eröffnet." auch Gelächter in unseren Reihen ausgelöst, als ein Großteil der Teilnehmer wie eine Schar hungrige Wölfe auf die Tafel stürmte. Die auf dem Schiff nach Budapest durchgeführte Diskussionsrunde hatte den größten Zuspruch unter den Teilnehmern des IFIP - Hauptkongresses. Leider saßen wir dabei am Heck des mittleren Schiffes, so daß die Akustik nicht die beste war. Die nächtliche Ankunft in der ungarische Hauptstadt war für uns alle, denn wir hatten durch den Mangel an vibrationsfreien Sitzplätzen die besten Stehplätze direkt an der Reling, ein unvergleichlich schönes Erlebnis.
Die Tage in Budapest waren mit der endgültigen Ausarbeitung unserer Ergebnisse für die Abschlußveranstaltung und Treffen mit ungarischen Politikern gefüllt. Dabei konnten wir feststellen, daß sie zwar die Mißstände des Landes kennen, aber auch keine Lösungen für eventuelle Änderungen haben. Bei unseren Fragen in diese Richtung redeten sie zwar viel, aber es war, ich denke wie immer bei Politikern, nichts Exaktes. Auch der längste Kongreß hat mal ein Ende, und so sind wir nach getaner Arbeit alle am letzten Abend noch einmal in eine ungarische Gaststätte, um einen ordnungsgemäßen Schlußstrich unter unser Treffen zu ziehen. Dabei wurden noch ein paar Adressen ausgetauscht, die Poster signiert und natürlich viel erzählt. Auch bekam jeder Teilnehmer eine Urkunde. Wir endeten mit dem Versprechen, unsere Arbeit via E - Mail fortzusetzen und in der Hoffnung uns eines Tages wieder zu treffen.Dieser Kongreß hat uns allen sehr viel Neues gebracht, und wir hatten auch genug Spaß an dieser Tätigkeit.
Kai Baumgarten